Liebe oder Hass? Warum trainierst Du eigentlich?

Ich trainiere, weil ich meinen Körper liebe – nicht weil ich ihn hasse

In der Überschrift steckt zugegebenermaßen ein Stück Provokation. Und das mit voller Absicht!
Mit diesem Blogartikel möchte ich Dich auffordern und auch ermuntern, Deine Trainingsabsichten einmal kritisch zu hinterfragen. Also: Warum trainierst Du eigentlich?
Nimm Dir ruhig mal ein paar Minuten Zeit, hol Dir Stift und Zettel und notiere Dir Deine Gedanken!

Meine eigenen teile ich gerne mit Dir: Als Kind und auch in meiner Jugend habe ich leidenschaftlich gerne Sport gemacht, egal ob Fussball oder Volleyball, schwimmen, (Ein)rad fahren, joggen, Ski und Snowboard fahren, Schlittschuh laufen oder Leichtathletik. Ich habe es geliebt und war in jeder freien Minuten aktiv! Dabei habe ich mir nicht den Kopf über meinen Trainingspuls, Wiederholungszahlen, Regenerationszeiten oder Gewichte gemacht und ich hatte auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nichts getan habe. Ich war mit mir selbst völlig im Einklang und habe Sport aus Spaß und mit viel Leichtigkeit gemacht!

Doch irgendwann habe ich (wie fast jeder) festgestellt, dass ich durch das Training meine Körperform, meine Silhouette beeinflussen kann. Schnell kippt das Ganze und ich machte keinen Sport mehr, weil es mir Spaß machte, sondern weil ich meinen Körper verändern wollte. Ich konnte mich nur selbst annehmen und glücklich sein, wenn ich das Gefühl hatte, genug dafür getan zu haben – und das war sehr selten der Fall.

Die Leidenschaft, die ich einst beim Training empfunden hatte, war zum knallharten Leistungsdenken geworden. Aus dem Gefühl des Einklangs mit meinem Körper, wurde Ablehnung.
Aus Liebe wurde Hass.

Der weite Weg zurück

Wie Du Dir vielleicht vorstellen kannst, war mein Weg zurück zu einem guten Körpergefühl und zu einer positiven Art zu trainieren lang und steinig. Es verging viel Zeit, bis ich überhaupt verstand, warum ich permanent unzufrieden und unglücklich war und dass nicht meine Umstände daran schuld waren, sondern mein verqueres Leistungsdenken. Die Erkenntnis traf mich wie ein Blitz.

Doch Gewohnheiten ändern sich nicht von heute auf morgen! Zwar ist die Erkenntnis der erste und unverzichtbare Schritt in die richtige Richtung, aber dann folgt eine gewisse Zeit der Umstellung, des Scheiterns und des wieder neu Versuchens.

Der Schlüssel liegt in Dir

Wie sieht es bei Dir aus? Bist Du Deinen Motiven zu trainieren schon etwas näher gekommen? Falls auch Deine Absichten in eine ähnliche Richtung gehen wie meine damals und Du Dich immer wieder fragst, warum Dein Training nicht (kaum) fruchtet, möchte ich Dir noch einen Schlüssel mit auf den Weg geben!

Und der nennt sich SELBSTLIEBE !

Frage Dich, bei allem was Du für und mit Deinem Körper tust, ob es Dir wirklich gut tut!
Überlege Dir, ob es Deinem Körper mehr Kraft gibt oder ob es Dir Kraft raubt.
Finde heraus, ob Du es tust, um Disziplin vorzutäuschen, oder weil Du wirklich verstanden hast, dass es nicht gut für Dich ist.
Hinterfrage Deine Motive! Immer und immer wieder!

Wenn Du etwas nicht aus Liebe (zu Dir selbst) tun kannst, dann lass es lieber!

Entwickle gesunde Trainingsprinzipien

“Viel hilft viel!” – Das ist ein Trainingsgrundsatz, der sich leider noch immer hartnäckig hält. Nur ist er halt grundverkehrt. Viele Menschen trainieren zu oft, zu hart und unausgewogen. Und so versuchen viele in einen eh schon übervollen Terminkalender noch eine Trainingseinheit unterzubringen oder trainieren trotz schmerzender Gelenke und Muskeln. Egal wie müde und ausgebrannt wir Frauen (vor allem Mamas) uns auch fühlen – die obligatorische Trainingseinheit MUSS sein. Koste es was es wolle!

Gerade als Trainingseinsteiger oder nach einer Schwangerschaft und Geburt, ist es aber unerlässlich, langsam und mit Bedacht zu starten. Schaffe erst mal eine gute körperliche Grundlage, bevor Du das Training intensivierst.

Wenn es Dir wichtig ist, einen gesunden (statt einen auf Biegen und Brechen schlanken) Körper zu haben und Du mit Freude und Leichtigkeit am Training dranbleiben möchtest, dann solltest Du folgende Prinzipien beachten:

  • Muskelkater ist ein No Go ! Leichtes Ziehen nach dem Training ist ok und Du darfst auch ruhig merken, dass Du etwas getan hast, aber Schmerzen sind absolut tabu! Denn sie zeigen Dir ganz klar auf, dass das Training zu hart war und Deine Muskeln Mikroverletzungen davon getragen haben.
  • Kein Training wenn Du krank bist! Quäle Deinen Körper nicht durch Workouts und Trainingseinheiten, wenn Du krank bist oder Kopfschmerzen (Migräne) hast. Die Anstrengung würde Dich nur noch weiter schwächen und den Genesungsprozess verlängern. Kurier Dich aus und warte bis die Kopfschmerzen abgeklungen sind.
  • Kein Training bei extremen Wetterbedingungen. Gerade als Einsteiger solltest Du bei extrem kalten oder heißen Temperaturen nicht oder nur sehr dosiert trainieren. Vielleicht kannst Du einfach ein paar Runden im (Hallen)bad drehen?
  • Sport baut keinen Stress ab! Auch wenn es sich oft so anfühlt! Auch ein sportliches Training ist im Prinzip purer, zusätzlicher Stress für den Körper und somit nicht in jeder Situation sinnvoll. Wir fühlen uns durch das Training nur kurzzeitig besser, weil durch die Bewegung Endorphine ausgeschüttet werden. Diese Hormone verschwinden wieder, der Stress aber bleibt. Deshalb lieber spazieren oder walken gehen, wenn Du einen heftigen Tag hinter Dir hast.

Wer ist der eigentliche Übeltäter?

Akzeptiere Dich und Deinen Körper, so wie er HEUTE ist. Das ist wohl der wichtigste Grundsatz von allen. Wenn Du Dich heute nicht akzepterien kannst, kannst Du es vermutlich morgen auch nicht und auch nicht dann, wenn bereits die ersten Kilos gepurzelt sind.

An Deiner mangelnden Selbstachtung ist nicht Dein Körper schuld, sondern Deine Seele! Und die lässt sich durch Sport nicht beeinflussen! Es sind nicht Deine Oberschenkel, Dein Bauch oder Dein Po, die Dich unglücklich machen. Es sind die negativen Gedanken und die negative Einstellung, die Du Dir selbst gegenüber hast. Hier musst Du anfangen zu arbeiten!

Dann wird Dein Training wieder Spaß machen und keine reine Pflichterfüllung sein. Die Leichtigkeit und die Freude, die Du brauchst um gute Ergebnisse zu erzielen, sind dann plötzlich wieder da und Du wirst Dich wunderbar fühlen!

Probier es aus! Wenn ich es geschafft habe, mein Denken zu verändern, kannst Du das auch!
Herzensgrüße Tanja

Wenn Du das Thema Selbstliebe für Dich vertiefen willst, kannst Du gerne meine Blogserie dazu lesen. Hier gehts direkt zum ersten Teil!