Mein bewegtes Leben (2) – wie sich meine Einstellung zum Sport verändert hat

Tanja Franz

Bewegung ist mehr als Training

Nachdem ich Dir im letzten Blogartikel davon erzählt habe, warum mir Sport und Bewegung so wichtig sind, möchte ich heute noch etwas tiefer in das Thema einsteigen. In meiner täglichen Arbeit fällt mir immer wieder auf, dass sich viele Menschen eigentlich nur noch dann bewegen, wenn sie “zum Training gehen”. Das ist eigentlich sehr schade und gibt dem ganzen auch irgendwie einen negativen Touch. Zum Training muss man sich immer aufraffen oder sich überwinden, Training ist immer anstrengend und schweißtreibend, Training nervt und nimmt einem die Zeit für andere schöne Dinge und das Training bereitet mir ein schlechtes Gewissen – nämlich dann, wenn ich es ausfallen lasse. So oder so ähnlich denken heute sehr viele Menschen.

Ich kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass dieses Denkmuster leider sehr einschränkend ist und uns sehr viel Freude und positive Effekte nimmt. Denn das Problem ist nicht das Training an sich, sondern unser bewegungsarmer und stressiger Alltag. In der Regel stehen wir früh aus dem Bett auf, setzen uns an den Frühstückstisch, fahren mit dem Auto in die Arbeit und verbringen den Tag dann sitzend am Schreibtisch (klar, das gilt nicht für jeden, aber doch für viele), fahren dann nach Hause, setzen uns wieder um das Abendessen einzunehmen und landen dann müde und erschöpft auf der Couch und schließlich wieder im Bett.

Oder Du bist Mama: dann stehst Du nach einer unruhigen, oft viel zu kurzen Nacht auf, nippst müde an Deinem Kaffe und versuchst den ganzen Tag lang irgendwie all Deine Aufgaben unter einen Hut zu bekommen (das ist keine Schwarzmalerei, sondern mein persönliches tagtägliches Empfinden in meinen ersten Jahren als Mama). Und obwohl Du abends hundemüde bist, hat Dein Körper trotzdem nicht die nötige Bewegung bekommen.

Egal ob Dein Leben meinem ersten oder meinem zweiten Beispiel gleicht, oder ganz anders abläuft: unser heutiger Alltag ist nicht sehr bewegungsfreudig! Und gleichzeitig fühlen wir uns enorm gestresst. Warum diese Kombination so ungünstig ist, erkläre ich Dir gerne!

Bewegung ist ein essentielles Grundbedürfnis

Unser Körper ist darauf angewiesen, dass wir ihn auch benutzen. Nur so kann er gesund und leistungsfähig bleiben. Unsere Gelenke müssen benutzt werden, weil sich sonst die Beweglichkeit immer mehr einschränkt, unser Herz muss regelmäßig angeregt werden und das Herz-Kreislauf-System muss mit kleinen Herausforderungen klar kommen können. Sonst wird für uns selbst das Treppensteigen mal zu einer großen Herausforderung. Unsere Muskeln müssen regelmäßig unter Belastung stehen, weil sie sonst einfach verkümmern und immer kleiner werden. Ist das der Fall, wird jeder Wocheneinkauf zur Belastung. Und Muskeln, die bewegt werden, zerren auch immer an unseren Knochen und regen diese an stark und fest zu bleiben. Ansonsten kann sich eine Osteoporose entwickeln, die unsere Lebensqualität enorm einschränkt.

Das muss uns allen einfach wieder viel mehr bewusst sein! Körperliche Bewegung ist kein Bonus, kein Punkt auf unserer To-Do-Liste, sondern es ist ein absolutes Grundbedürfnis! Und dabei ist eine Trainingseinheit am Abend nur EINE von vielen Möglichkeiten um seinen Körper ausreichend zu bewegen. Das wichtigste ist nur, dass die Bewegung überhaupt stattfindet! Erst wenn Du ein konkretes Ziel hast, auf das Du hintrainierst (Beseitigung von Rückenschmerzen zum Beispiel), kommst Du um eine strukturierte Trainingseinheit nicht herum.

Du tust Dir, Deinem Körper und Deinem Wohlbefinden also wirklich einen großen Gefallen, wenn Du trotz der vielen bequemen technischen Möglichkeiten (Auto, Aufzug, Drive-through-Schalter) in Deinem Alltag, Deinen Körper möglichst viel bewegst. Steh doch jetzt gleich mal auf, streck Dich, erlaube Deinen Körper mal wieder richtig Platz einzunehmen! Erhebe Deinen Kopf, kreise die Schultern, streck die Arme mal lang und lass sie einfach locker um Deinen Körper fliegen, kreise die Hüften, stell Dich mal auf die Zehenspitzen, schwing die Beine vor und zurück. Spürst Du wie Dein Energielevel sofort ansteigt? Gott hat Dir einen wunderschönen Körper geschenkt, benutz ihn auch 🙂 !

Ausdruck & Verarbeitung von Emotionen

Wenn wir uns bewegen, passiert auch auf geistiger, psychologischer Ebene etwas in und mit unserem Körper. Innen und Außen wirken sozusagen Hand in Hand! Der Körper hilft der Psyche und umgekehrt. Vielleicht hast Du schon mal eine Katze oder ein Pferd beobachtet, wie es sich nach einer Situation verhält, in der es einen Schreck bekam. Die erste Reaktion ist Flucht. Sobald die Situation für das Tier nicht mehr bedrohlich ist, entspannt es sich dann. Es räkelt sich (die Katze) oder schlägt mit dem Schweif (das Pferd) und es schnaubt einige Male laut. Nur um ein Beispiel zu nennen. Das alles geschieht, damit die Energie, die die stressige Situation im Körper entstehen hat lassen, wieder entladen werden kann. Der Körper hilft der Psyche dabei, das traumatische Erlebnis zu verarbeiten und loszulassen. Beim Menschen funktioniert dieses Prinzip ganz genauso.

Doch leider können wir in den seltensten Fällen aus stressigen, gefährlichen oder unangenehmen Situationen nur sehr selten einfach flüchten. Und sich im Büro mal zu räkeln wie eine Katze, würde auch nur komische Blicke auf uns ziehen 🙂 ! Dies führt aber leider dazu, dass sich Energie in unseren Körper staut. Fehlt dann auch ganz grundsätzlich in unserem Leben die Bewegung, nehmen wir uns selbst die Möglichkeit für Entspannung und Ausgleich zu unserem täglichen Stress zu sorgen.

Diese Kombination kann sehr gefährlich werden. Viele Rückenschmerzen, Migräneanfälle, Verdauungsprobleme und und und ließen sich vermeiden, wenn wir es schaffen würden, uns wieder mehr zu bewegen.

Du siehts also: Bewegung ist mehr als Training! Es ist eine großartige Investion in unseren Körper und unsere Gesundheit!

Das ist mir heute beim Training wichtig:

Nachdem mir all das in den letzten Jahren und speziell den letzten Monaten klar geworden ist und ich die Zusammenhänge noch besser verstanden habe, hat sich auch meine Art zu trainieren komplett verändert. Die folgenden zwei Punkte müssen für mich erfüllt sein, sonst fliegt eine Übungen sofort wieder von meinem Trainingsplan:

  1. Heute ist es mir wichtig, dass ich beim trainieren immer eine kindliche Bewegungsfreude verspüre (Dazu habe ich vor einiger Zeit schon mal diesen Blogartikel geschrieben). Die einzelnen Übungen müssen mir unbedingt Spaß machen und mich eine gewisse Leichtigkeit spüren lassen. Meine Bauchmuskulatur trainiere ich deshalb schon lange nicht mehr mit öden SitUps.
  2. Außerdem stelle ich mir immer die Frage: Unterstützt mich diese Übung, um meinen Alltag noch besser meistern zu können? Brauche ich die Fähigkeit, die ich mit einer bestimmten Übung trainiere wirklich oder würde sie eh wieder verkümmern, sobald ich mit dem Training aufhöre? 10 oder gar 15 km Läufe mache ich deshalb beispielsweise nicht mehr. Es würde mich viel Mühe kosten, meine Kondition soweit aufzubauen, dass ich die Strecke so gut meistern kann, dass es mir sogar Spaß macht. Und sobald ich mal zwei oder drei Wochen nicht laufen könnte, würde ich meine Form schnell wieder einbüßen. Deshalb laufe ich eher kurze Distanzen oder trainiere meine Ausdauer beim Schwimmen. Da ist der Funfaktor für mich einfach höher 🙂 !

Such die Herausforderung!

Und hier kommt noch mein ultimativer Tipp, um auch Deine Einstellung zum Thema Bewegung und Training positiv zu verändern und Dir neuen Schwung zu geben: such Dir eine Übung, die Du nicht beherrscht und arbeite dann solange konsequent daran, bis sie Dir gelingt! Such Dir eine Herausforderung. Denke ruhig groß, damit Du wirklich ein lohnenswertes Ziel vor Augen hast! Vielleicht musst Du Dich erst mal eine längere Zeit mit vorbereitenden Übungen beschäftigen, aber das ist egal. Bleib einfach dran! Du musst Dir dafür auch gar keine Stunde Zeit nehmen. Mach es einfach dann, wenn Du gerade ein paar Minuten im Alltag übrig hast und wenn Dir danach ist. Du wirst sehen, das weckt Deinen Ehrgeiz und Du findest schnell Spaß daran.

Ich arbeite zur Zeit daran, einen freien Handstand zu schaffen und dann verschiedene Postionen zu halten. Angefangen habe ich dafür vor einigen Wochen im Schulterstand und jetzt gehe ich allmählich zum Kopfstand über. Zusätzliche mache ich viele Stützübungen wie die Planke um meine Kraft in den Armen, den Schultern und im Bauch zu verbessern. Jeden Tag ein paar Minuten. Das ist einfach genial! Probier es mal aus!

Nächste Woche gibt es den dritten und letzten Teil meiner Blogserie. Da verrate ich Dir dann meine Empfehlungen für ein richtig erfolgreiches und spaßiges Training.

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Kommentare

2 thoughts on “Mein bewegtes Leben (2) – wie sich meine Einstellung zum Sport verändert hat

  • Nicole

    Danke Tanja für deine motivierenden Worte.
    Ich sehe es auch so, dass Bewegung Spass machen sollte und auch macht. So wie man gerne Salat oder einen Apfel ist. Nicht (nur) weil es gesund ist, sondern weil es erfrischt, schmeckt und ein gutes Gefühl gibt.

    • Tanja Franz

      Liebe Nicole, danke für Dein Feedback! Da gebe ich Dir absolut recht, beim Essen ist es genau das Gleiche! Erst wenn man das verinnerlicht hat, können wirklich positive Veränderungen statt finden! Hab noch einen schönen Tag! Liebe Grüße Tanja

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